Der Goldesel-Effekt
Leserbrief für Kreuzlinger Nachrichten vom 7. Mai 2026 …
Der Goldesel-Effekt
Das Résumé zur Versammlung der Volksschulgemeinde (VSG) Tägerwilen vom 27. April 2026 ist kein Grund zur Beruhigung – es ist ein Alarmsignal. Die Rechnung 2025 weist einen Überschuss von CHF 1.2 Mio. aus und liegt damit rund CHF 1.83 Mio. über dem Budget. Trotz intensiver Bautätigkeit mussten keine neuen Kredite aufgenommen werden, der Erneuerungsfonds blieb unangetastet.
Das Eigenkapital wächst seit Jahren weiter und erreicht Höchststände, obwohl dessen Abbau geplant war. Das ist keine solide Planung, sondern systematische Überbesteuerung. Die Steuerzahlenden erfüllen ihre Pflicht, sind aber längst zum «Goldesel» der VSG geworden.
Statt diesen Missstand zu korrigieren, schlägt die Schulbehörde den entgegengesetzten Weg ein. Sie investiert in zusätzliche Immobilien (alte Raiffeisenbank), was die jährlichen Ausgaben weiter deutlich erhöht. So werden überhöhte Steuereinnahmen nachträglich legitimiert. Die Folgekosten aber fallen alljährlich wieder an und werden von den Steuerzahlenden finanziert.
Das hat mit verantwortungsvoller Finanzpolitik nichts zu tun. Eine Steuerfusssenkung ist längst überfällig. Während die Bevölkerung weiterhin viel zu viel bezahlt, meinte der Schulpräsident lediglich, er denke darüber nach.
Marcel Fässler
