Ein Verwandtschaftsverhältnis ist kein Argument
Facebook-Seite vom 1. Oktober 2026
Ein Verwandtschaftsverhältnis ist kein Argument
Zum Leserbrief «Wie weiter im Gemeinderat Tägerwilen?» von Rolf Seger
Rolf Seger zweifelt an der Unabhängigkeit von Gemeinderätin Rebecca Fässler. Seine Begründung: Ihr Vater ergreife an Gemeindeversammlungen das Wort. Das ist kein Vorwurf, sondern ein demokratisches Grundrecht. Jede stimmberechtigte Person darf an der Versammlung reden – das ist deren Sinn.
Entscheidend ist, was fehlt: kein Geschäft, keine Abstimmung, kein unterlassener Ausstand, kein einziger konkreter Fall. Ein Vorwurf ohne Beispiel bleibt eine Vermutung. Und die Annahme, eine erwachsene Frau stimme so ab, wie ihr Vater es fordert, spricht ihr politische Eigenständigkeit ab. Das ist keine Sachkritik, das ist eine Unterstellung.
Auffällig ist auch, wen der Brief zum Entscheid aufruft: EFT, EVP, SP und SVP. Warum fehlen die FDP und Die Mitte?
Wer die Zusammensetzung des Gemeinderats kritisiert, sollte deshalb zuerst fragen: Warum organisiert sich hier kaum noch jemand parteipolitisch, und warum füllt ausgerechnet eine Interessengemeinschaft diese Lücke? Das ist die eigentliche Debatte.
Am 28. Februar 2027 wird gewählt. Reden wir über Zentrumsentwicklung, Finanzen und Schulraum – nicht über Familienstammbäume.
Erwin Kuhn
